Kultur-Programm? Nein, danke!

Warum nur ist es immer und immer wieder das Gleiche und warum ist man traurigerweise auch schon gar nicht mehr überrascht, wenn Mainstream, Geld und Macht einmal mehr den symbolischen Mittelfinger gegen Kultur, Kreativität und alternative Lebensentwürfe ausstrecken? Weil man es die ganze Zeit sowieso schon wieder geahnt und befürchtet hatte. Aber das Leben hätte einen ja dieses eine Mal eventuell auch überraschen und eines Besseren belehren können. Es kam aber wieder einmal anders.

Diesmal hat es einen liebgewonnen Fernsehsender getroffen, dessen Name tatsächlich Programm war. Zwischen einer endlosen Aneinanderreihung von langatmigen Polit-Talkshows, einschläfernden Volksmusiksendungen und unzähligen Krimi-Formaten, war der digital empfangbare Spartenkanal ZDF.kultur ein Lichtblick im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Doch damit soll nun auch bald Schluss sein, wie das ZDF am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung verkündete:

„ZDF-Intendant Thomas Bellut wird dem ZDF-Fernsehrat und den Bundesländern vorschlagen, den Digitalkanal ZDFkultur in seiner jetzigen Form einzustellen.“

Warum? Weil man es kann. Die offizielle Begründung ist die von der Politik auferlegte Beitragsstabilität. Das Zweite werde zu Sparmaߟnahmen gezwungen. Und wir wissen ja, wenn es irgendwo zu – angeblichen – finanziellen Engpässen kommt, werden zuerst Kunst und Kultur gestrichen. Für die öffentlich-rechtlichen Sender ist stupide Berieselung – angelehnt an etliche Formate der Privaten – eben nutzbringender als Content, der eben einfach mal eine echte Alternative zu dem ganzen gleichen Fernseheinheitsbrei bot. Ein Sender, der Live-ܜbertragungen oder Ausschnitte der ganzen tollen Sommer-Musik-Festivals zeigte, erfrischend andersartige Talkshows wie „Roche & Böhmermann“ ausstrahlte und Künstlern der Rock-, Pop-, und Indie-Szene eine Plattform gab. Selbst die Wiederholungen der von Dieter Thomas Heck moderierten „ZDF-Hitparade“ versprühten einen liebevollen Retro-Charme.

Erst 2011 als Ablösung des Theaterkanals an den Start gegangen, hatte sich ZDF.kultur auf die Fahnen geschrieben „ein anderes Kulturfernsehen“ zu machen und „neue Zuschauerschichten“ für das ZDF zu gewinnen. Am Ende reichten die Quoten nicht. Dann lieber doch noch ein paar mehr überteuerte Hollywood-Sternchen auf die „Wetten, dass…?“-Couch einladen und noch ein wenig mehr billig produzierte Sendungen kreieren, die ganz offensichtlich an das Hauptprogramm von RTL und Pro 7 angelehnt sind, auch wenn sie ein Schleier der Seriosität umgibt.

Innovativ, jung und kreativ zu sein sind eben keine gefragten Attribute der verknöcherten Fernsehmacher aus Mainz. Wer braucht schon junge Zuschauer und deren Bindung und Heranfühung an die öffentlich-rechtlichen Kanäle? Waren es nicht einst Musik-Sendungen wie die „ZDF-Hitparade“ und „Formel Eins“, die ein jüngeres Publikum an die Programme zog? Was bieten denn das ZDF und die Kollegen der ARD einer jüngeren Generation von Zuschauern in ihrem Tagesprogramm? Und wieso müssen wir seit Januar diese staatliche Zwangsabgabe leisten, wenn das, was dort ausgestrahlt wird, vor allem doch nur die Generation 50+ anspricht? Und warum überhaupt diese ganzen Spartenkanäle, wenn sich das am Ende nicht rentiert? Dann sollen die öffentlich-rechtlichen Programme doch stattdessen versuchen etwas mehr Kunst, Musik und Kultur in die Hauptprogramme zu schieben. Aber das wäre wohl zu viel verlangt, denn letztendlich geht es wie immer nur um Geld.

Dafür gibt es heute ein dickes VETO für ZDF-Intendant Thomas Bellut und seine „Komplizen“. Und ein Grund mehr den Fernseher einfach mal auszulassen. Vielleicht sollten sich die Mainzer Herrschaften einfach mal eine Weile mit dem RBB-Hörfunk „Radio Eins“ auseinandersetzen. Die zeigen nämlich, dass man generationsübergreifend Bildungsauftrag, Musik, Jugend und Kultur sehr wohl bestens miteinander vereinbaren kann!

2 Gedanken zu „Kultur-Programm? Nein, danke!

  1. Bambule kommt jetzt Montags um 5:30 auf dem theaterkanal! Danke liebes ZDF.
    ܜber den Dächern passé und der Marker und Fiva als Moderatorin im Fersehen.
    VETO!

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