Mix it, Baby: 7 Coversongs, die Berechtigung haben

Meine Beziehung zu Coversongs war viele Jahre geprägt von meiner absoluten Ablehnungshaltung. Das rührte daher, dass ich den Sinn dahinter nie verstanden habe. Hatten die Künstler denn keine eigenen Ideen? Könnte ja jeder dahergelaufene Hanswurst mit ein bisschen Ableton-Kenntnissen daherkommen. Und tat es ja letztendlich auch, was vor allem diese vielen unfassbar schlechten (heute natürlich fast kultigen) 90er Jahre Eurodance-Verwurschtelungen bewiesen (man erinnere sich an Mark’OH, Interactive und Scooter, die unter anderem „Tränen lügen nicht“ zu „Tears Don’t Lie“, „Forever Young“ {da blieb es beim Original-Titel} oder „Walking In Memphis“ zu „I’m Raving“ uminterpretierten – na, did anyone put on his raving shoes already?). Und fast immer fand ich das Original so oder so um Längen besser. Inzwischen hat sich meine Meinung zu Coversongs jedoch ein wenig abgemildert. Vor allem auch, weil ich in den letzten Jahren auf Interpretationen gestoßen bin, die dem Original tatsächlich auf sehr kreative Art und Weise ein neues Leben einhauchen. Hier meine 7 Favoriten, die manchmal sogar fast ein wenig besser sind als das Original :-).

1. David Gilmour & Friends „Here, There And Everywhere“ (2015)
    Original: The Beatles (1966)

Gilmour nahm das Beatles-Cover 2015 zusammen mit seinem Sohn Joe für die Mojo Magazin Comilation David Gilmour & Friends auf. Das Original erschien1966 auf dem Beatles Klassiker Revolver und wurde durch Paul McCartney komponiert, für den der Song bis heute zu seinen liebsten Stücken zählt. Beide Versionen sind natürlich großartig, aber die Extra-Portion Pathos des ehemaligen Pink Floyd-Sängers lassen mich diese Version ein kleines bisschen mehr mögen.

2. Bryan Ferry & Todd Terje – „Johnny & Mary“ (2014)
Original: Robert Palmer (1980)

Ein schönes Beispiel für eine komplette Neu-Interpretation eines Titels. Während Palmers Version eine typische tanzbare 80er Sythipop-Nummer ist, verwandelte der norwegische DJ Todd Terje den Song 2014 in eine große bewegende Electro-Pop-Ballade – getragen von Bryan Ferrys Stimme. So erheben beide Tracks ihre eigene musikalische Berechtigung. So kan man zu Palmers Version die Tanzfläche unsicher machen und sich beim Cover sehnsüchtig in Träumen verlieren.

3. Chromatics – „Into The Black“ (2012)
    Original: Neil Young – „Hey Hey, My My (Into the Black)“ (1979)

Kann dieser Song eigentlich noch melancholischer und vor allem düsterer interpretiert werden? Ja, dachte sich die US-amerikanische Synthi-Pop-Band Chromatics und schenkte uns 2012 dieses trostlos und zugleich wunderschön anmutende Cover von Neil Youngs Hit.

 4. Johnny Cash – „Hurt“ (2002)
     Original: Nine Inch Nails (1994)

Nichts gegen Trent Reznor, aber als ein hochbetagter Johnny Cash, der mit brüchiger Stimme diese Ballade intoniert, verleiht dem Song eine ganz besondere emotionale Tiefe. „Hurt“ wurde 2002 zum größten Hit seiner Karriere-Endphase. Fun fact: Ursprünglich hatte Cash den Song-Vorschlag seines Produzenten abgelehnt, da er mit dem Titel nicht viel anfangen konnte.

5. Placebo – „Running Up That Hill“ (2003)
    Original: Kate Bush (1985)

Das Q Magazin beschrieb das Cover von Placebo einst mit den Worten „sounding more like a pact with the devil than the original ‚deal with god'“. Kann man so stehen lassen. Beide Interpretationen bringen ein düstere, melancholische Schönheit zutage.

6. Yumi Zouma – Champagne Supernova (2017)
Original: Oasis (1996)

Yumi Zouma aus Neuseeland verleiht dem Song eine neue Leichtigkeit, so dass es dem Original kaum noch ähnelt. Der Ohrwurm-Refrain bleibt natürlich. Gut gemacht.

7. Isolation Berlin – „Isolation“ (2015)
    Original: Joy Division (1980)

Schon klar, Joy Division, insbesondere Ian Curtis, sind – der bescheidenen Meinung der Autorin nach sowieso – in vielerlei Hinsicht musikalisch einfach einmalig gewesen. Dennoch gelingt den Berliner Jungs hier ein ordentliches Cover, mit dem die trostlos-deprimierende Stimmung des Originals ziemlich gut ins Deutsche überführt wurde.

2 Gedanken zu „Mix it, Baby: 7 Coversongs, die Berechtigung haben

  1. Und einer für die Stones, weil unwahrscheinlich schön:
    Sharon Jones and the Dap Kings – Wild Horses
    https://www.youtube.com/watch?v=G_e7GrhqqVE

    Da pack ich frech ein paar der großen Dylan Covers dazu 🙂

    Knocking on Heaven’s door – Guns N‘ roses
    https://www.youtube.com/watch?v=301w_flI0oI

    The Jimi Hendrix Experience – All along the watchtower
    https://www.youtube.com/watch?v=TLV4_xaYynY

    Wir sollten uns auch mal über Tribute Alben unterhalten.
    Sticky Soul Fingers – A Rolling Stones Tribute lag mal einer Mojo bei.
    Quiet about it – A Tribute to Jesse Winchester
    ….
    Ach und im Dylan Universum zu bleiben. Der Soundtrack zu I’m not there ist ja auch ein riesiges Tribute-Werk mit ebenso sehr schönen Titeln.

  2. Absolut, wird Zeit für einen Artikel, lieber Frank! Ich habe mich ja da eher an die aktuelleren Cover gewagt ;-).

    Gibt ja eigentlich doch nicht ganz so wenige Cover,die ich wirklich mag :-).

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